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Armutsatlas für die Bundesrepublik

Die Paritätische Wohlfahrt stellte ihren Armutsatlas vor, welcher die sozialen Verwerfungen in der BRD schonungslos offenlegte. Dabei wurde die Armutsquote anhand einer Einkommensquote von 60 Prozent oder weniger des Durchschnittsverdienstes gemessen (736 Euro für Alleinstehende, nach anderer Berechnung 764 Euro). Die höchsten Armutsquoten wurden in Mecklenburg-Vorpommern (24,3 Prozent) und Sachsen-Anhalt (21,5 Prozent) ermittelt. Die geringste Armutsquote findet sich in Baden-Württemberg (10 Prozent) und Bayern (11 Prozent). Besonders von Armut bedroht sind erwerbslose Personen sowie Alleinerziehende und deren Kinder. Auch hier sind im Ländervergleich erhebliche Unterschiede festzustellen: Während die Armutsgefährdungsquote der Erwerbslosen in Baden-Württemberg mit 40,3 Prozent im Jahr 2007 den niedrigsten Wert aufwies, waren in Sachsen-Anhalt zwei Drittel aller Erwerbslosen  armutsgefährdet. Bei den Personen in Alleinerziehenden-Haushalten waren die niedrigsten Quoten in den Stadtstaaten Berlin (28,6 Prozent) und Hamburg (29,6 Prozent) festzustellen; die höchste Quote wies auch hier Sachsen-Anhalt mit 53,7 Prozent auf. Bei den West-Bundesländern liegt Bremen mit einer Armutsquote von 19,1 Prozent an der Spitze. Jedes dritte Bremer Kind wächst in Armut auf. Im Zwei-Städte-Staat mit seinen rund 650.000 Einwohnern sind bis zu 179.000 Menschen von Armut bedroht, jeder Fünfte ist bereits arm. Nimmt man als Berechnungsgrundlage das mittlere Einkommen des jeweiligen Bundeslandes, so ist die Armutsgefährdung (jenseits der bereits eingetretenen Armut) nur noch in Hamburg höher als in Bremen. Noch schlimmer ist die Lage in Bremerhaven, wo mehr als ein Drittel der Bevölkerung von staatlichen Transferleistungen abhängig ist. „Die Mehrzahl der deutschen Bevölkerung lebt unter dem Lebensstandard, den das Wirtschaftswachstum ermöglicht hätte“, stellte der Paritätische Wohlfahrtsverband fest und verwies auf die stagnierenden Realeinkommen sowie Nullrunden bei Sozialleistungen. Dazu kommt, dass die aktuelle Wirtschaftskrise in dem Bericht noch gar nicht abgebildet ist. Das Risiko, von Armut betroffen zu werden, wird also sogar noch steigen. Auffallend ist nach wie vor eine deutliche Teilung Deutschlands – allerdings nicht in Ost und West, viel eher macht sich eine Dreiteilung zwischen Süd-, Nord- und Ostdeutschland bemerkbar. Während in Süddeutschland durchschnittlich eine Armutsquote von nur 11 Prozent erreicht wird, liegen Nordwestdeutschland bei etwa 15 Prozent, Ostdeutschland bei durchschnittlich 20 Prozent. Der Paritätische Gesamtverband bezieht sich in seinem Armutsatlas auf Daten des Mikrozensus 2007 des Statistischen Bundesamts. Hierzu werden jedes Jahr deutsche Haushalte durch ein Zufallsverfahren ausgewählt und zu ihren persönlichen Lebensverhältnissen befragt. Daten über die Familienformen, das Einkommen, die Erwerbstätigkeit und die Ausbildung etwa fließen so durch eine Sonderauswertung in den Armutsatlas ein. 

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