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Quelle: Die Abwicklung eines deutschen Traditionsunternehmens

Der deutsche Traditionsbetrieb Quelle steht vor dem Aus. Betroffen sein werden etwa 10.500 Beschäftigte, wovon mindestens 7000 umgehend ihre Arbeitsstelle verlieren werden. In Bayern ist hierbei vor allem der Standort Fürth betroffen, hier geht es um mehrere „Callcenter“, so dass wohl 3500 Arbeitsplätze vernichtet werden. Auch der Standort Leipzig ist von der Abwicklung des Konzerns betroffen, sowie mehrere Hundert kleinere „Packet-Shops“. Betroffen sein wird aber auch die Post, die unter anderem den Versand und die Logistik von Quelle übernommen hatte. Quelle gehört zum Konsortium von Arcandor, der bereits im Juni Insolvenz angemeldet hatte. Hier sind durchaus auch die Ursachen für den Zusammenbruch von Quelle zu sehen. Arcandor war von der Bundes- und Landesregierung fallen gelassen worden. So kam es nicht zu den zunächst in Aussicht gestellten Hilfszusagen zur Rettung und Sanierung des Krisenunternehmens. Daraufhin verständigten sich die gewerkschaftlich organisierten Betriebsräte in Kooperation mit der Unternehmensleitung auf eine Politik der Lohnkürzung zu Lasten der lohnabhängig Beschäftigten. Teil des Unternehmens wurden zu Spottpreisen „ausgesondert“, wie es im Marktliberalen Neusprech heißt. Bereits im Sommer sperten die Banken die bisherigen Investitionskredite für Quelle, woraufhin die Bundesregierung mit einem Massekredit in Höhe von 50 Millionen Euro reagierte. Ein Teil jenes Kredites wurde von dem Land Bayern aufgebracht. Laut dem damaligen Bundeswirtschaftsministers Guttenberg (CSU) sei mit diesem Kredit ein vorläufiges Überleben gewährleistet.

Nun kann man hinter den Worten des CSU-Adligen vor allem ein wahltaktisches Motiv vermuten. Es ging darum, diese Hiobsbotschaft hinauszuzögern, da man ansonsten hohe Stimmenverluste in Bayern zu befürchten hätte. Laut dem Insolvenz-Verwalter Görtz hätte es mehrere Kaufinteressenten gegeben. Man konnte sich aber nicht auf die Finanzierung des Versandgeschäftes einigen. Besonders brisant ist hierbei das die Hauptinteressenten Valovis Bank, Bayern LB und Commerzbank Nutznießer des Bankenrettungsfonds der Bundesregierung sind. Auch die bayrische Landesregierung hätte hier, ebenso wie die Bundesregierung entschieden intervenieren können, falls es gewollt gewesen wäre. Auch die Rolle der Gewerkschaften ist einmal mehr als nur zwielichtig. Verdi forderte von Politik und Wirtschaft nicht einmal rein verbal das die Arbeitsplätze der Beschäftigten erhalten werden sollten. Alles was kam war ein Beklagen über die Katastrophe für Arbeiter und Region, ohne aber irgendwelche konkreten Gegenmaßnahmen zu fordern. Wo waren eigentlich die Aufrufe zum Arbeiterkampf gegen die Vernichtung der Existenzen der Beschäftigten? Was sie getan ist folgendes: Sie lullten die Beschäftigten durch Protegierung der marktradikalen Propaganda ein und versprachen das durch Lohnabbau und Arbeitszeitverlängerung die Arbeitsplätze bei Quelle erhalten werden können. Nun hat man durch den Kuschelkurs gegenüber der Logik des Neoliberalismus zur Vernichtung der Arbeitsplätze durch Unterlassung und Unterstützung beigetragen. Damit aber nicht genug. Die Betriebsräte hatten die Insolvenz-Verwalter bei deren Bestreben unterstützt Quelle an die US-amerikanische Heuschrecke Cerberus zu verscherbeln. Zwar waren die mehr als nur zweifelhaften Praktiken dieses Finanzinvestors bekannt, aber die Betriebsräte hatten nichts besseres im Sinn als ständig zu beschwichtigen und auf die Unternehmensführung zuzugehen. Zugestimmt wurde bereits im Juni der Vernichtung von mindestens 4000 Arbeitsplätzen.

Das Verhalten der Gewerkschaften und der Bundes- sowie Landesregierung zeigt einmal mehr auf das die Beschäftigen entschieden für ihre Arbeitsplätze und Rechte zu kämpfen haben, sich nicht mehr beschwichtigen lassen dürfen. Der Klassenkampf in den Betrieben gegen die Vernichtung der Existenzen der Lohnabhängigen muss aufgenommen und geführt werden. Dies sei auch gerade Nationalisten ins Stammbuch geschrieben, die wie von Seiten der wichtigsten, oder zumindest stärksten, sich national nennenden Organisation – der NPD – geschehen sich in der Beschwichtigungsformeln gegenüber dieser Arbeitsplatzvernichtung üben. So jammert man dort etwas darüber das es keine der „Volksgemeinschaft“ und der Belegschaft gegenüber verpflichteten Privatunternehmer mehr gäbe. Es folgt der zwar durchaus richtige Verweis auf die Veränderung des kapitalistischen Wirtschaftsbetriebes und dem Treiben der Manager, ohne sich aber darüber gewahr zu werden das diese nur das tun was im Kapitalismus schon an sich angelegt ist. Was folgt ist kein Plädoyer für einen Antikapitalismus der den Namen wenigstens halbwegs verdient hätte, ja nicht einmal ein kleinbürgerlicher Reformismus soll Abhilfe schaffen. Es folgt einzig eine Auflistung einer Rechtsbürgerlichen Palette an Forderungen die aber wenig bis gar nichts mit der Krisenhaftigkeit des Kapitalismus zu tun haben. Man möchte der deutschen Wirtschaft einiges „klar machen“ und wenn es nicht anders ginge solle man sie auch dazu zwingen deutsche Arbeitsplätze zu sichern. Der Landesvorsitzende der bayrischen NPD erweckt dabei den Eindruck das die Lösung des Problems, die Rettung von Quelle, mit den Parolen eines Marktfundis und Kapitalisten Namens Thilo Sarrazin zu bewerkstelligen gewesen wären. (1)

Wofür aber zu sorgen wäre, dies sei dann doch noch angefügt. Es ginge um die Sozialisierung der Produktionsmittel, um die Aufnahme und entschiedene Führung des Klassenkampfes, um die rätedemokratische Übernahme der Betriebe und Konzerne durch Arbeiter und Beschäftigte, um die Vergügungsmacht des Volkes über die gesellschaftlichen Produktionsmittel. Darum Sozialismus statt kapitalistische Beschwichtigung.

1. http://www.npd-bayern.de/index.php/m…Aktuelles.html

Kategorien:Antikapitalismus
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